Dein bestes Logo braucht vielleicht gar kein Bild. Nur Buchstaben, die keinem sonst gehören.
Hey Brand-Fan,
Die stärksten Logos der Welt verraten dir nicht, was die Firma eigentlich macht. Und ziemlich viele davon haben nicht mal ein Bild drin. Nur den Namen, in einer Schrift, die sonst keinem gehört.
Braun. FedEx. Sony. Kein Symbol, kein Icon, keine Bohne, kein Blitz. Und du erkennst sie trotzdem aus dem Augenwinkel.
Das nennt sich Wortmarke, ein Logo aus reiner Typografie. Klingt nach der langweiligsten Logo-Entscheidung überhaupt. Ist in Wahrheit eine der mutigsten. Heute schauen wir, warum das so gut funktioniert, wo der Preis liegt, und warum Trends dabei dein schlechtester Ratgeber sind.
Fun Fact:
Das Braun-Logo mit dem hochgezogenen A gibt's im Kern seit 1934. Die reduzierte Form, die heute noch steht, kam 1952 (Quelle: Logo Design Love / Sight Unseen). Seitdem wurde sie minimal angefasst, aber nie verbogen.
Dieter Rams hat Braun von 1961 bis 1995 als Design-Chef geprägt, mit einem Satz, den du dir übers Bett hängen kannst: „Weniger, aber besser." (Quelle: Vitsœ / V&A)
Und genau das ist der Punkt. Diese Wortmarke sieht auch 70 Jahre später modern aus, weil sie nie versucht hat, modern zu sein. Kein Verlauf, kein 3D, kein Schnörkel, der nach seinem Jahrzehnt riecht. Buchstaben altern langsamer als Effekte. Immer.
Im Falle Braun trifft das genau die Zielgruppe, die auf Ingenieurskunst und Understatement steht. Ein verspieltes Bild-Logo würde da sofort billiger wirken.
Zweiter Fall, und mein Lieblingsbeispiel dafür, dass eine Wortmarke trotzdem clever sein darf: FedEx.
1994 von Lindon Leader bei Landor entworfen (Quelle: Landor / CNN). Die Schrift ist ein Custom-Font, ein Mix aus Futura und Univers, extra für die Marke gebaut. Heißt: Diese Buchstaben gehören wirklich nur FedEx, keiner lädt die einfach runter.
Und dann der Trick, den vermutlich die Hälfte deiner Leser noch nie gesehen hat: Zwischen dem E und dem x steckt ein weißer Pfeil. Speed, Präzision, Richtung. Über 40 Design-Awards für dieses eine Detail (Quelle: ArtCenter / Rolling Stone, 2003).
Nur rund 20 % der Leute...
entdecken den Pfeil von allein (Quelle: BusinessAnywhere). Der eigentliche Win ist also gar nicht der versteckte Pfeil. Es sind die eigenen Buchstaben. Das Extra ist die Cherry-on-Top, nicht die Base-Line.
Und jetzt der Teil, der mir wirklich am Herzen liegt. Der Grund, warum ich bei Logos allergisch auf Trends reagiere.
In den letzten zehn Jahren haben gefühlt alle dasselbe gemacht: Logo flachklopfen, Schnörkel raus, alles in dieselbe brave Sans-Serif. Airbnb 2014, Google 2015, Pinterest 2017, Saint Laurent, zuletzt PayPal 2024.
Die Design-Szene hat dafür sogar einen Namen: „Blanding." Aus Branding wird bland.
Klingt clean. Das Problem: Wenn alle gleichzeitig demselben Trend hinterherlaufen, sehen am Ende alle gleich aus. Und eine Marke, die aussieht wie zehn andere, ist keine Marke mehr.
Und die Rechnung kommt. Cracker Barrel hat im August 2025 sein altes Logo mit dem „Old Timer" gegen eine cleane Wortmarke getauscht. Ergebnis: heftiger Gegenwind, knapp 100 Millionen Dollar Börsenwert weg, und nach keiner Woche war das alte Logo zurück (Quelle: CNN / Forbes, 2025). Sie hatten das eine ownable Element rausgeworfen, an dem die Leute sie erkannt haben.
My 2 Cent:
Eine Wortmarke ist nur dann ein Asset, wenn sie DIR gehört. Kopierst du den Trend, wirst du unsichtbar. Und ja, du musst deswegen nicht morgen dein Logo wegwerfen, das geht auch ohne Panik. Aber „sieht gerade modern aus" ist der schlechteste Grund für eine Logo-Entscheidung, den es gibt.
Damit das hier nicht klingt wie „Typo-Logo = immer die Lösung": Es hat einen Preis. Und den zeigt Zara ziemlich brutal.
2019 hat Zara sein Logo von der Agentur Baron & Baron neu setzen lassen. Die Buchstaben wurden so eng zusammengeschoben, dass sie sich überlappen (Quelle: Dezeen, 2019). Typograf Erik Spiekermann nannte es öffentlich „das schlechteste Stück Typo, das ich seit Jahren gesehen habe" (Quelle: Designboom, 2019).
Warum das lehrreich ist: Bei einer Wortmarke IST die Schrift das Produkt. Es gibt kein Symbol, hinter dem du dich verstecken kannst. Opferst du die Lesbarkeit für einen coolen Look, bricht das ganze Logo.
Also ganz ehrlich, die Trade-offs, wenn du über Typo-Only nachdenkst:
✅ Du brauchst Typo mit eigenem Charakter. Eine random Google-Font, und du landest direkt im Blanding-Sumpf. Und ja, manchmal sollte man ein paar Euro für die Schrift zahlen. Sonst spart ihr am falschen Ende.
✅ Ein reiner Schriftzug gibt dir kein Icon für die Mini-Touchpoints. App-Symbol, Favicon, Insta-Profilbild. Oft brauchst du trotzdem noch ein Kürzel oder Monogramm dazu.
✅ Eine Wortmarke transportiert von allein null Bild-Bedeutung. Wiedererkennung entsteht nur durch Wiederholung und Zeit. Braun hatte 70 Jahre. Dein Startup hat die nicht, und das ist okay, aber du musst es wissen.
✅ Lesbarkeit ist nicht verhandelbar. Siehe Zara.
Unterm Strich: Ein gutes Logo muss nicht zeigen, was du tust. Und die besten kommen oft mit null Bild aus. Aber Typo-Only ist kein Shortcut zu „clean und fertig." Es ist die Ansage, dass du bereit bist, in eine eigene Schrift und in jahrelange Konsequenz zu investieren.
Bist du das nicht, ist ein Bild-Element völlig legitim. Bist du es, hast du ein Asset, das Trends überlebt.
stay bullish 🔥
Chantalle
P.S. Nicht sicher, ob deine Wortmarke trägt oder nur gerade modisch ist? Antworte einfach auf diese Mail mit deinem Logo, ich sag dir ehrlich, was ich sehe. ✉️ chantalle@boredbrands.studio
