Neues Branding, alter Shitstorm: Warum Fans erstmal immer meckern
Hey Brand-Fan,
wenn du schon mal ein Rebranding gemacht hast, kennst du das bestimmt: Du launchst das neue Logo, bist super stoked, und einige der ersten Reaktionen sind... sagen wir mal, eher nicht so begeistert. 🫠
Willkommen im Club! Gerade erwischt es McLaren, und die haben eigentlich ziemlich viel richtig gemacht.

McLaren: Back to the roots, und trotzdem Gegenwind
Am 22. September hat McLaren seine neue Identität vorgestellt, die ab jetzt für Racing und die Sportwagen gemeinsam gilt. Die neue Wortmarke basiert auf dem handgemalten Schild über der Tankstelle von Bruce McLarens Eltern in Auckland, Neuseeland, wo damals alles angefangen hat. Dazu gibt's eine eigene Schrift namens McLaren Sans, gerade Großbuchstaben statt der schrägen Speed-Optik und einen kleinen Strich unter dem "C". Papaya-Orange bleibt, genau wie das Speedmark, das jetzt allerdings nur noch die Nebenrolle spielt.
Die Fans finden es langweilig, andere sagen, es sieht aus wie ein Coffee Shop, ein Modelabel oder eine Hotel-Bonuskarte. Sogar Tom Foulkes, der bis 2025 Global Head of Brand bei McLaren war, hat öffentlich Kritik geübt: "I don't think the objections are really about a logo." Er glaubt, die Fans haben eher Angst, dass Racing bei McLaren nicht mehr im Mittelpunkt steht.
Und genau da wird's spannend, wenn du dir dazu mal Jaguar anschaust. 👀

Jaguar: Alles weg, alles neu
Kurz zur Erinnerung: Im November 2024 hat Jaguar die Raubkatze aus dem Logo geworfen, eine komplett neue Wortmarke eingeführt und den "Copy Nothing"-Spot gelauncht. Der Shitstorm war riesig, und das Netz hat sich wochenlang darüber lustig gemacht.
Im August hat der frühere Chief Creative Officer Gerry McGovern dann zugegeben, dass Jaguar wegen der Reaktionen geplante Kommunikation gestrichen hat. Am Kurs selbst hält Jaguar aber fest, die neuen Autos sollen 2026 kommen, und bis dahin wurde die Produktion der alten Modelle gestoppt.
Der große Unterschied zu McLaren: Jaguar hat so gut wie alles hinter sich gelassen, was die Fans mit der Marke verbunden haben, und dann ewig kein neues Auto gezeigt. Zwischen Logo und Produkt gab's also lange nichts, woran sich die Leute festhalten konnten.

Apple Music: 13 Jahre Rot, jetzt Schwarz-Weiß mit Special-Effect
Ganz frisch ist auch Apple Music, das am 21. Oktober seine neue Identität offiziell gemacht hat. Das rote Icon, das es seit 13 Jahren gibt, wird schwarz-weiß, und laut Apple wurde das Logo durch eine Komposition von Fred again.. und NEST Acoustics "physically shaped". Der Claim dazu: "Just music, made visible."
Als das neue Icon in der Beta aufgetaucht ist, waren die Kommentare ziemlich eindeutig. Die meisten wollten ihr Rot zurück, und ein paar haben sogar mit dem Wechsel zu Spotify gedroht. 😅

My 2 Cent:
Den ersten Shitstorm bekommst du fast immer, egal ob du zurück zu deinen Wurzeln gehst wie McLaren oder alles neu machst wie Jaguar. Menschen mögen es einfach nicht, wenn sich Dinge verändern, die sie lieben.
Viel spannender finde ich deshalb, was nach dem ersten Shitstorm passiert. Und da hat McLaren für mich deutlich bessere Karten als Jaguar. Die Tankstellen-Story ist echt, Papaya ist geblieben, und das neue Branding kommt jetzt nach und nach auf die Autos, auf Merch und in die Apps. Die Fans sehen also schnell, wie das Ganze im echten Leben wirkt.
Bei Apple Music tippe ich auf was Ähnliches: Sobald das Icon auf allen iPhones ist, gewöhnen sich die meisten schneller dran, als sie gerade denken.
Den Punkt von Tom Foulkes nehme ich trotzdem ernst. Wenn Fans so heftig reagieren, geht's selten nur um eine Schriftart. Oft steckt dahinter die Sorge, dass sich an der Marke selbst etwas verändert.
Was heißt das für dein Rebranding?
Du bist nicht McLaren, und deine Kunden schreiben wahrscheinlich keine Kommentare unter dein neues Logo. Reagieren werden sie aber trotzdem, vor allem die, die schon länger mit dir arbeiten oder deine Produkte kaufen.
✅ Erzähl die Story mit. Ein neues Logo ohne Erklärung wirkt schnell beliebig. Bei McLaren ist es die Tankstelle der Eltern, bei dir kann das der erste Laden sein, das erste Produkt oder der Grund, warum du überhaupt gegründet hast.
✅ Behalte etwas, woran die Leute dich erkennen. Bei McLaren ist das Papaya, bei dir vielleicht eine Farbe, ein Claim oder dein Bildstil.
✅ Zeig das neue Branding schnell im Einsatz. Ein Logo auf weißem Hintergrund wirkt immer ein bisschen nackt. Auf dem Produkt, im Laden oder auf der Website sieht das gleich ganz anders aus.
✅ Sag's zuerst deinen Bestandskunden. Die sollten es von dir hören, bevor sie es irgendwo anders sehen.
✅ Halt die ersten zwei Wochen aus. Eine negative Reaktion heißt noch lange nicht, dass dein Rebranding schlecht ist.
Gemeckert wird also fast immer, wenn sich was ändert. Entscheidend ist, ob deine Story das aushält. Hast du selbst schon mal ein Rebranding gemacht und Gegenwind bekommen? Erzähl mal, ich bin gespannt!
stay bullish 🔥
Chantalle
P.S. Du überlegst gerade, dein Branding aufzufrischen, und weißt nicht, was bleiben soll und was weg kann? Antworte einfach auf diese Mail, dann schauen wir uns das gemeinsam an. ✉️ chantalle@boredbrands.studio
