Features kann jeder kopieren. Rituale nicht.
Hey Brand-Fan,
stell dir vor, du bestellst ein Bier und der Barkeeper lässt dich erstmal warten. Mit Absicht. Klingt nach schlechtem Service? Bei Guinness ist genau das der Case.
Das Pint wird in zwei Etappen gezapft, dazwischen darf sich der Schaum in Ruhe setzen. Und wenn es endlich vor dir steht, kommt der eigentliche Main-Character-Moment: Du versuchst beim ersten Schluck, die Schaumkante exakt in die Mitte vom G auf dem Glas zu treffen. “Split the G”. Wer’s schafft, filmt es. Wer’s nicht schafft, bestellt halt noch eins. (Ist in anderen Ländern bekannter als in Good Old Germany, klar).
Mit dem Geschmack hat das ziemlich wenig zu tun. Und trotzdem ist es einer der Gründe, warum Guinness gerade abgeht wie kaum eine andere Biermarke.


Die Zahlen sind nicht von schlechten Eltern: Im Geschäftsjahr bis Ende Juni 2025 hat Guinness weltweit 13 % mehr Umsatz gemacht und 14 % mehr Volumen. In Großbritannien ist mittlerweile jedes neunte gezapfte Pint ein Guinness. Und jetzt kommt’s: Bei Frauen ist die Reichweite um 86 % gestiegen, bei unter 34-Jährigen um 70 %. Eine Stout-Marke, die plötzlich bei den Jungen cool ist. Epic.
Fun Fact: Erfunden hat Guinness das Spiel nicht mal selbst. “Split the G” lief schon Jahre in Pubs rum, bevor es auf TikTok explodiert ist. Die Marke hatte einfach das richtige Glas am Start.
Und genau darum geht’s heute. Ein Ritual ist etwas, das Menschen immer wieder gleich machen, weil es sich einfach gut anfühlt. Schafft es deine Brand da rein, wirst du nicht mehr nur gekauft. Du wirst gefeiert.
Spotify zieht das Ganze mit Daten durch.
Jedes Jahr Anfang Dezember droppt Wrapped, und deine komplette Insta-Story ist plötzlich voll mit Top-Songs und Hör-Stats. 2025 haben über 200 Millionen Menschen ihr Wrapped in den ersten 24 Stunden geöffnet. Im Jahr davor hat das noch 62 Stunden gedauert. Geteilt wurde es am ersten Tag über 500 Millionen Mal, 41 % mehr als 2024.
Real Talk: Das spannendste Learning steckt im Jahr davor. 2024 hat Spotify am Ritual rumgebastelt und einen KI-Podcast in den Mittelpunkt gestellt, statt der Stats, auf die alle gewartet hatten. Die Community war not amused. 2025 kamen die Details zurück, dazu Features, mit denen man sich direkt mit Freunden battlen kann.
Lesson learned: Irgendwann gehört ein Ritual den Leuten, die es feiern. Wer daran rumschraubt, spielt mit dem Feuer.

IKEA beweist, dass ein Ritual nicht mal zum Kernprodukt passen muss.
Du fährst hin für ein Regal und kommst raus mit Köttbullar im Bauch, früher der Hot Dog. Für viele gehört das zum IKEA-Trip einfach dazu, keine Diskussion. Laut IKEA gehen pro Jahr rund 1,4 Milliarden Fleischbällchen über die Theke, die 473 Restaurants zählen etwa 710 Millionen Gäste. Ingvar Kamprad hatte die Idee schon 1960, mit einer ziemlich smarten Logik: Wer satt ist, shoppt entspannter.

My 2 Cent:
Die meisten Brands ballern ihr Budget in Features. Neues Feature, noch ein Feature, das Feature vom Feature. Ganz ehrlich? Das baut dir der Wettbewerb in drei Monaten nach. Ein Ritual kann keiner kopieren, weil es im Kopf deiner Kunden wohnt.
Und nein, dafür musst du kein Bier zapfen. Rituale funktionieren genauso für Services:
✅ ein Kick-off, das sich jedes Mal ein bisschen nach Event anfühlt
✅ eine Übergabe, die mehr ist als ein WeTransfer-Link per Mail
✅ ein Jahresrückblick für deine Kunden im Wrapped-Style: Das haben wir 2026 zusammen gerockt
Aber: Ein Ritual kannst du nicht von oben verordnen. Oft entsteht es von ganz allein, siehe Guinness. Dein Job ist, genau hinzuschauen, was deine Kunden sowieso schon immer wieder machen, und daraus etwas zu bauen, das nur bei dir funktioniert.
Also, eine Frage an dich: Welcher Moment mit deiner Brand würde deinen Kunden fehlen, wenn er morgen weg wäre?
stay bullish 🔥
Chantalle
P.S. Hat deine Brand schon so ein kleines Ritual, vielleicht ohne dass du’s je so genannt hast? Hit reply und erzähl’s mir, ich bin super neugierig. Und falls du eins aufbauen willst: Let’s talk. ✉️ chantalle@boredbrands.studio
