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Branding in langweiligen Branchen: So nutzt du das unterschätzte Potenzial

Branding in langweiligen Branchen: So nutzt du das unterschätzte Potenzial

Langweilige Branche? Glückwunsch. Du sitzt auf ungenutztem Branding-Gold.

Hey Brand-Fan,

Unpopular Opinion: Ich würde lieber die Marke eines Bauunternehmers bauen als das zehnte gleiche Fashion-Label.

Klingt verrückt? Ist aber simpel. In Fashion, Beauty und Food ist gutes Branding die Eintrittskarte. Ohne stirbst du, mit fällst du wenig auf, weil viele anderen auch liefern. In "langweiligen" Branchen ist gute Markenentwicklung dagegen optional. Und genau das ist es: Die Messlatte liegt auf dem Boden. Wer da auch nur ein bisschen Charakter zeigt, wirkt wie ein Feuerwerk.

Niedrige Erwartung, hoher Überraschungseffekt.
That's it, mehr Formel braucht es nicht.

Branding-Beispiele aus vermeintlich langweiligen Branchen

Drei Beweise:

Hornbach: Emotionen im Baumarkt.

Baumarkt. Objektiv eine der unsexiesten Branchen überhaupt. Und trotzdem macht Hornbach seit Jahren mit seiner Agentur Heimat die vielleicht mutigste Werbung Deutschlands, alles unter einem Claim: "Es gibt immer was zu tun." Mein Lieblingsbeispiel: der Hornbach Hammer (2013), ein streng limitierter Hammer aus echtem Panzerstahl. Der Online-Vorverkauf war sofort ausverkauft. Ein Baumarkt hat ein Kultobjekt geschaffen, lass dir das auf der Zunge zergehen.

Und das zahlt sich aus: 6,2 Milliarden Euro Umsatz (Geschäftsjahr 2024/25), Top 5 der Bau- und Gartenhändler Europas, und mit 2.849 Euro Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche liegt Hornbach deutlich vor dem Wettbewerb. Emotion verkauft eben auch Dübel.

Hornbach Branding Beispiel – emotionale Markenkommunikation im Baumarkt

Kärcher: Das Weltwunder-Portfolio.

Hochdruckreiniger. Familienunternehmen aus Winnenden, seit 1935, klassischer deutscher Weltmarktführer, also genau die Ecke, in der Branding angeblich "nicht nötig" ist. Kärchers Move: Seit 1980 putzt die Firma als Kultursponsoring die berühmtesten Bauwerke der Welt. Die Christusstatue in Rio (1980, seitdem ungefähr alle zehn Jahre, zuletzt 2024). Das Brandenburger Tor nach dem Mauerfall (1990). Die Kolonnaden am Petersplatz (1998). Mount Rushmore (2005), wo sich Industriekletterer auf Washingtons Nase abgeseilt haben, nachdem der Park Service sieben Jahre nach einer Lösung gesucht hatte.

Über 150 Projekte, jedes einzelne kostenlose Weltpresse. Das Produkt ist ein Hochdruckreiniger. Die Marke ist "wir reinigen Weltwunder." Ergebnis: Weltmarktführer mit knapp 3,5 Milliarden Euro Umsatz (2025).


Mailchimp: Der Affe unter Anzugträgern.

Und jetzt B2B-Software, die graueste aller Zonen. Mailchimp startet 2001 in Atlanta als Nebenprojekt einer Webdesign-Agentur, Produkt: E-Mail-Marketing (ausgerechnet, ich weiß 😅). Während die Konkurrenz nach Steuererklärung aussieht, setzt Mailchimp auf einen zwinkernden Affen namens Freddie und einen Ton, der Spaß macht. Höhepunkt: die "Did You Mean Mailchimp?"-Kampagne mit absichtlich falschen Namen wie MailShrimp, KaleLimp und JailBlimp, die rund 4 Millionen organische Suchanfragen eingespielt hat.

Der Kicker: alles ohne einen einzigen Investor. 2021 kauft Intuit die Firma für rund 12 Milliarden Dollar, der größte Verkauf einer gebootstrappten Firma aller Zeiten. In einem Markt voller steriler Tools war die unverwechselbare Markenidentität der Wettbewerbsvorteil.

Mailchimp Branding – einzigartige visuelle Identität im B2B-Bereich

My 2 Cent: Der Mechanismus dahinter ist immer derselbe.

✅ Niedrige Erwartung schlägt hohe Erwartung. Im grauen Umfeld reicht ein Funke, um aufzufallen. In Fashion brauchst du ein Lagerfeuer.

✅ Wiedererkennung ist in diesen Branchen fast konkurrenzlos. Wenn alle Wettbewerber gleich aussehen, gehört dir die Kategorie, sobald du ein Gesicht hast.

✅ Und: Die Zielgruppe ist auch nur ein Mensch. Der Einkäufer, der tagsüber Zulieferer vergleicht, lacht abends über dieselben Memes wie alle anderen.

Real Talk: Das heißt nicht, dass jeder Dübel-Hersteller jetzt Panzerstahl-Merch braucht. Es reicht schon, eine Sache anders zu machen als der Katalog-Standard von 2011: ein Ton, der nach Menschen klingt. Eine Website mit einer echten Meinung. Eine Farbe, die man sich merkt. Gerade im Handwerk und bei B2B-Zulieferern ist die Lücke riesig, weil da draußen fast niemand liefert.

stay bullish 🔥
Chantalle

P.S. Du bist selbst in einer "langweiligen" Branche unterwegs? Jackpot. Genau da holen wir am meisten raus. Schreib mir. ✉️ chantalle@boredbrands.studio

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