Der Standard sinkt gerade, und die meisten merken's nicht mal.
Hey Brand-Fan,
ich sehe da draußen gerade etwas, das mir ehrlich gesagt keine Ruhe lässt.
Packaging-Designs, die aussehen, als hätte jemand „modernes Naturkosmetik-Label, minimalistisch, clean" eingegeben und Enter gedrückt. Präsentationsvorlagen mit diesen generischen Gradient-Flächen und der Schrift, die irgendwie immer Neue Haas Grotesk sein will, aber es nie ganz hinkriegt. Ad Creatives, bei denen die Schlagschatten in die falsche Richtung fallen. Und alle – wirklich alle – haben das abgenickt.
Das ist nicht meine Meinung über AI. Das ist mein Problem mit dem Designstandard, den wir gerade alle gemeinsam senken.
Word Art 2026 – nur teurer und mit mehr Selbstvertrauen
Ich erinnere mich an die Zeit, als Leute mit Word Art Texte gestaltet haben. Weißt du noch? (Und ja, ich bin alt. :-)
Dieser regenbogenfarbene Bogen-Text mit dem Chromeffekt, der auf dem Flyer zum 60. Geburtstag absolut nicht aus dem Weg ging. Damals haben wir alle gelacht. Oder zumindest die, die wussten, was gutes Design bedeutet.
2026 ist das die Unternehmens-Keynote-Vorlage. Mit 47 Slides. Versendet an 200 potenzielle Investoren.
Der Unterschied: Word Art war das Beste, was die meisten Leute damals hatten. Das hier ist eine bewusste Entscheidung.
AI verschiebt die Messlatte – und du merkst es nicht
Und das trifft einen Nerv, weil ich glaube, dass AI etwas sehr Subtiles mit uns macht: Sie verschiebt die Messlatte für Designqualität, ohne dass wir's merken.
Du arbeitest an einem Packaging-Briefing. Früher hättest du einem Profi gesagt, was du willst, und dann einen ersten Entwurf nach zwei Wochen bekommen. Den hättest du entweder gefeiert oder weitergegeben mit „näher dran, aber noch nicht da". Jetzt gibst du einen Prompt ein und hast in vier Minuten etwas, das... okay aussieht. Nicht gut. Nicht schlecht. Okay.
Nach 6-7 Korrekturrunden ist es nicht mehr okay, sondern "eigentlich ganz gut"
And now it's happening. Du nimmst das "Eigentlich ganz gut". Weil's ja so krass ist, dass es überhaupt geht.
Die Fähigkeit des Tools wird zum Maßstab für dein Ergebnis. Und genau DAS ist das große Problem.
Was das mit deiner Marke macht – und ja, es gibt Zahlen dazu
Clutch hat im September 2025 über 1.000 Konsumenten befragt. Ein Drittel sagt, AI beeinflusst ihre Markenwahrnehmung negativ. Nur 16% positiv. Und das Nuremberg Institute for Market Decisions hat gezeigt: Schon das Label „AI-generated" – bei identischem Content – macht Leute skeptischer, weniger engagiert, weniger kaufbereit.
Das heißt: Das Ergebnis ist nicht nur optisch schwächer. Es untergräbt aktiv das Vertrauen in deine Marke.
31% der Konsumenten geben an, dass AI in Werbung sie weniger likely macht, eine Marke zu wählen – laut CivicScience, Juli 2025. Jede Form der Außendarstellung ist Branding. Dein Packaging. Deine Ad. Deine Präsentation, die du an potenzielle Partner schickst. Jeder Touchpoint zahlt auf das gleiche Konto ein: Vertrauen.
Wenn das Packaging nach Midjourney riecht, kauft das die richtige Zielgruppe – die, die du mit Premium, Handwerk, Qualität ansprichst – vielleicht nicht. Nicht weil sie dir Böses wollen. Sondern weil du ihnen gerade gezeigt hast, wie ernst du dich selbst nimmst. Und wie es vermutlich auch um die Qualität in anderen Bereichen steht, wenn 70% für dich reichen.
Das riecht nämlich niemand, dass dir bei deinem Produkt Qualität nur mit 100 % durchgeht, nur beim Design drückst du 3 Augen zu.
My 2 Cent, und der ist klar:
Es gibt use cases, wo AI richtig Sinn macht – Struktur, Research, erste Richtungen testen, Texte auf Länge bringen, Varianten testen. Das ist echte Effizienz.
Und es gibt use cases, wo du einen Profi brauchst. Wo das Ergebnis direkt auf deine Markenidentität einzahlt. Wo jemand mit Handwerk, Erfahrung und einem echten Auge den Unterschied macht zwischen „okay" und „holy sh!t, das ist genau wir".
Die Frage ist nicht „AI oder kein AI". Die Frage ist: Würde das, was du gerade abnicken willst, auch dein Standard-Anspruch sein, wenn du dafür gezahlt hättest?
Wenn ja – go for it.
Wenn du die Frage nicht mit Ja beantworten kannst – nacharbeiten oder jemanden holen, der's kann.
Die Brands, die in den nächsten Jahren gewinnen werden, sind nicht die, die AI am meisten nutzen. Sondern die, die sie am klügsten einsetzen – und verstehen, wo sie Wert schafft und wo sie ihn vernichtet.
stay bullish 🔥 Chantalle
P.S. Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein aktuelles Packaging, deine Ad-Creatives oder dein Pitch-Deck das Vertrauen aufbauen, das du brauchst – schreib mir. Wir schauen's uns gemeinsam an. ✉️ chantalle@boredbrands.studio
